Die Gruppenanalyse PDF Drucken E-Mail

Die Gruppenanalyse wurde von dem Psychoanalytiker S.H. Foulkes nach seiner durch den Nationalsozialismus erzwungenen Emigration in England begründet. Für diese Begründung war über das Erbe Sigmund Freuds hinaus der intensive Gedankenaustausch von Foulkes mit dem Soziologen Norbert Elias von entscheidender Bedeutung. Der gruppenanalytische Ansatz integriert weiterhin Anregungen aus der Neurobiologie, der Gestaltpsychologie und der Kommunikationstheorie.

Auf dem gruppenanalytischen Ansatz basiert heute nicht nur eine der einflussreichsten Methoden der Gruppenpsychotherapie, die Therapeutische Gruppenanalyse. Er bietet auch als Angewandte Gruppenanalyse vielfältige Einsatzmöglichkeiten für die Arbeit mit Gruppen in den Bereichen der Erziehung und Bildung, der Beratung und Sozialen Arbeit, der Supervision und Organisationsentwicklung.

Für die Gruppenanalyse stellen Gruppe und Individuum keinen Gegensatz dar. Sie werden in untrennbarem Zusammenhang und gegenseitiger Bedingtheit erfasst. Die Therapeutische Gruppenanalyse lokalisiert psychische Störungen nicht primär im Individuum, sondern im Netzwerk der sozialen Beziehungen, die für es lebenswichtig sind. Umgekehrt legt die Angewandte Gruppenanalyse bei Konflikten und Kommunikationsstörungen in Arbeitsgruppen und Institutionen den Widerspruch offen, der zwischen eingefahrenen Strukturen und persönlichen Bedürfnissen nach Mitteilung, Anerkennung und Beteiligung besteht.

Die gruppenanalytische Praxis ist ein lebendiger und kreativer Prozess, in dem sich verbale und nonverbale Kommunikation verflechten. Bilder und Träume und alle Facetten der Emotionalität finden im gruppenanalytischen Prozess aufmerksame Beachtung. Es eröffnen sich Spielräume, in denen Vergangenes im szenischen Kontext der Gruppe erscheint und Neues im Hier und Jetzt erlebt und erprobt wird. Die Gruppenanalyse deckt unbewusste Beziehungsmuster und Bedeutungen auf und eröffnet so ein vertieftes Verständnis des jeweiligen Gruppenkontextes in seinen kollektiven und individuellen Bezügen.

Im gruppenanalytischen Prozess ist es eine zentrale Erfahrung, dass Autonomie und Bezogenheit sich wechselseitig ermöglichen. Wachsende persönliche Unabhängigkeit verbindet sich mit einer vertieften Kommunikationsfähigkeit. Damit erweitert sich für die Einzelnen und die Gruppe das Spektrum der Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Dieses große Potential der Gruppenanalyse lässt sich in allen Formen der Gruppenarbeit entfalten. Gruppenanalyse wird praktiziert von ÄrztInnen, PsychologInnen, Sozialarbeiter(inne)n, PädagogInnen und Angehörigen anderer Berufe, die mit Gruppen arbeiten.